Sa 14.03. 17:30 Uhr und 20 Uhr, Tutzinger Filmerkundungen: Double-Feature mit Edgar Reitz

Am Samstag, den 14. März erwartet die Besucher der Tutzinger Filmerkundungen ein besonderes Highlight: Edgar Reitz kommt ins Kulturtheater, um in einem Doppelprogramm einen seiner ersten abendfüllenden Spielfilme „Cardillac“ (1968/69) und seine bislang jüngste Kinoarbeit „Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“ (2025) persönlich vorzustellen. Friedemann Beyer wird mit ihm über die beiden Filme, die einen zeitlichen Bogen seines mehr als sechzigjährigen Schaffens umspannen, und über seine Arbeit in einer rapide wandelnden Medienlandschaft zu sprechen, die er ebenso wach wie kritisch verfolgt.  

Cardillac (17:30 Uhr)

In seiner aktualisierten Adaption von E.T.A. Hoffmanns Kriminalnovelle „Das Fräulein von Scuderi“ (1819) reflektiert Reitz einen romantischen Künstlermythos: Der Goldschmied Cardillac (Hans Christian Blech) ist von seinen Werken so besessen, dass er deren Käufer ermordet, um sie wieder an sich zu bringen. Seine Tochter Madelon muss ihm die Schmuckstücke an ihrem Körper vorführen und wird so ebenfalls zum Teil seiner Kunst, die er als sein Eigentum betrachtet.

Plakat Cardillac
(Edgar Reitz Filmstiftung)

Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes (20 Uhr)

Um ihren verehrten Lehrer, den großen Aufklärer G.W. Leibniz (Edgar Selge) stets vor Augen zu haben, gibt die Preußische Königin Charlotte (Antonia Bill) ein Porträtgemälde des Gelehrten in Auftrag. Die Gespräche zwischen dem Hofmaler Delalandre (Lars Eidinger) und dem Philosophen geraten zu leidenschaftlichen Auseinandersetzungen über Fragen wie: Kann das Geheimnis einer Person überhaupt abgebildet werden? Werden Bilder unmerklich manipuliert? Erst die niederländische Malerin Aaltje van der Meer (Aenne Schwarz) vermag es, durch ihre Liebe zur Kunst das Herz des Skeptikers Leibniz zu öffnen. Doch dann schlägt das Schicksal zu…

Edgar Reitz (privat)

Edgar Reitz gehört zu den bedeutendsten Protagonisten des deutschen Autorenfilms. Geboren im rheinland-pfälzischen Morbach (Hunsrück) kam der Sohn eines Uhrmachers 1952 zum Studium nach München. Dort entdeckte er seine Liebe zum Kino. Nach ersten Erfahrungen im Bereich Industrie- und Dokumentarfilm gehörte er in den 1960er Jahren u.a. mit Alexander Kluge zu den Mitbegründern des Neuen Deutschen Films.

Einen überragenden Erfolg erzielte Reitz mit seiner elfteiligen TV-Serie „Heimat“ (1981–84): ein mediales Großereignis, das in Form einer Chronik die Geschichte des 20. Jahrhunderts im Spiegel eines Hunsrückdorfes und seiner Bewohner erzählt. Gefolgt von „Die zweite Heimat“ über Münchner Studentenleben in den 1960er Jahren und „Heimat 3“ über die 1990er Jahre.